MEINE MEINUNG

ZUM LOCKDOWN  bis zum 7.3.,  12.2.

Mittwoch, 10.2., Pressekonferenz der Bundeskanzlerin: Weiterer Lockdown bis zum 7.3. Und was dann? Mir reichts‘ s! Ich habe keine Lust mehr! Nur: Um mich und meine Unlust geht‘ s gar nicht. Mancher schimpft, er sei wütend. Ja, das bin ich auch – auf das Virus, nicht auf die Kanzlerin. Es geht nicht um mein Ich, seine Lust oder Unlust, um meine Ansprüche und Rechte, um meine Freiheit (darum ging es in den vergangenen Jahrzehnten viel zu oft). Es geht um das (gesellschaftliche) Wir, um Pflicht, um Unterordnung. Ich Wohlstandsverwöhnter    muss das begreifen – und nicht nur ich. Sonst scheitern wir am Virus. Und nicht nur am Virus.

Immanuel Kant schrieb seine Ethik gegen die Dominanz  individueller Launen und Willkür. Der „kategorische Imperativ“, die soziale Pflicht lautet: Handle so, dass alle anderen auch so handeln könnten wie du! Ich überprüfe die Maxime. Bist du wütend und stachelst andere gegen die Regierungsmaßnahmen  auf  – und alle würden genau dasgleiche  tun: Unsere Städte wären wie eine Catcherhalle, weil  wir alle unablässig vor Wut schäumten. Erkennst du deine Pflichten  uneingeschränkt an, andere vor dem Virus zu schützen, bejahst du die  fachliche Kompetenz von Höhergebildeten,   zügelst  du deine Wut  und bleibst ruhig  – und alle täten dasgleiche: Wir würden uns gegenseitig stärken, besser durchhalten und geduldig bleiben.

In Asien wird Immanuel Kant mit dem chinesischen Philosophen Konfuzius verglichen. Konfuzius beschreibt das gesellschaftliche  Ziel als Harmonie. Es wird durch Pflichterfüllung aller Bürger erreicht. Konfuzius wurde gefragt: Was ist sittliches Verhalten? Seine Antwort:  „Sich selbst überwinden und die eigenen Wünsche und Begierden  bezwingen.“ Sein Land war zu seiner Zeit von sozialer Unruhe und politischem Chaos bestimmt. Dazu sagte der Weise: „Wenn das Volk kein Vertrauen in den Staat hat, kann der Staat nicht bestehen.“

AUSBRUCH IN ASIEN ERLEBT, November 2020

Wie kommen die verqueren Denker nur zu ihrer absonderlichen Meinung?
Ich habe den Coronaausbruch im Januar und Februar in Vietnam und Singapur erlebt. Man war dort sofort alamiert, weil man die drohende Gefahr von Anfang an erkannte. Gleich wurden überall Fiebermessstationen
eingerichtet, ich wusste an jedem Tag meine Körpertemperatur. Dann kam ich nach Deutschland zurück und hörte wie der Gesundheitsminister beruhigte: Wir beobachten die Sache entspannt. Mir kam das komisch vor. Auch keine Kontrolle am Flughafen. Man hatte eben keine Erfahrung mit der Seuche. Jetzt hat man die Erfahrung und handelt konsequent. Gut so! Auch mit konsequenter Bestrafung bei asozialem Verhalten. Beim nächsten Ausbruch sicher auch schneller – so wie in Asien. Singapur, China, Südkorea, Vietnam, Taiwan haben die Seuche hinter sich – durch harte Coronamaßnahmen, die von den Bevölkerungen voll umfänglich akzeptiert wurden.
Die Asiaten gucken nach Europa und den USA und auch auf die verqueeren Denker, sie sehen, wie weit wir von einer Kontrolle der Seuche entfernt sind und was für Unvernunft sich hier auf den Straßen tummelt. Und einmal mehr ist Asiaten klar: Asien ist besser! Auch darin.

LITERATUR-EMPFEHLUNG: Albert Camus „Die Pest“
In einer Stadt bricht die Seuche aus, die Bewohner verlieren ihre Freiheit. Sie reagieren unterschiedlich: Verleugnen die Bedrohung, suchen nach Fluchtwegen aus der abgeriegelten Stadt, nutzen die Seuche für ihre Interessen – und opfern sich auf für die Erkrankten wie Dr. Rieux, die Hauptperson.
Rieux ist eigentlich Atheist. Und doch findet er einen Zugang zu Jesus: Seine Kreuzigung steht für die Sinnlosigkeit des Leidens. Im Gespräch mit Pater Paneloux kommen beide zu der Einsicht: Gottes Handeln ist unbegreiflich, jeder Versuch es zu verstehen, führt in die Irre. Glaube ist Wagnis: Der Glaubende überlässt sich dem unbekannten Gott. Ohne Hoffnung auf Sinn über all dem Sinnlosen wäre die menschliche Existenz sinnlos.

IMPFGEGNER, Dezember 2020

Impfgegnern antworte ich: Wie schön! Dann kommen wir anderen früher dran! Ich freue mich auf meine Impfung und die Rückkehr ins normale Leben.
Ich sehe allerdings, dass es um mehr geht, als nur ums Impfen – um Vertrauen oder Misstrauen in den Staat.
Liebe Impfgegner!
Mit euch habe ich folgendes gemeinsam:
1. Ich habe keine Ahnung von Virologie und Impfmedizin – und ihr habt auch keine (nur bilde ich mir nicht ein, welche zu haben).
2. Ihr misstraut dem Staat radikal – mein Verhältnis ist differenzierter.
Lese ich Berichte von Organisationen wie Lobbycontrol, graut mir – was für ein ungeheurer Einfluss der Kapitalbesitzer auf die Volksvertreter! Beispiel: Die Autoindustrie setzt durch ihren Cheflobbyisten, Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), durch, dass Deutschland als einziges Land der Welt kein Tempolimit auf Autobahnen hat; dass die Politik ökologisch irrsinnige Fahrzeuge wie die Stadtpanzer, die SUVs, nicht mit einer hohen CO2-Steuer belegt; dass es trotz Klimakrise keine Wende zu einer besseren CO2-Bilanz in der Verkehrspolitik gibt… Ich misstraue dem Staat!

Ich vertraue dem Staat insofern, als ich erkenne, dass sein Bestreben ist, sozialen Frieden zu wahren und dass er dafür sein Sozial,-Bildungs- und Gesundeitssystem mit Mitteln ausstattet und die Einrichtungen allen zugänglich macht. Weiter: In der Breite hat die Bevölkerung ein nie dagewesenes Wohlstandsniveau erreicht. Im Ausland höre ich gerne die Frage: Woher kommst du? Antworte ich: Aus Deutschland, höre ich eine Lobeshymne auf dieses Land. Radikal schlecht oder böse ist der deutsche Staat nicht.

Von Anbeginn unseres Lebens werden wir geimpft, ich wurde geimpft gegen Pocken, Kinderlähmung, Hirnhautentzündung, Diphtherie, Masern, Wundstarrkrampf, Typhus, Cholera – keine Impfung hat mir geschadet. Ganz im Gegenteil: Ich habe vier Indienreisen gut überstanden – ohne die Impfungen wäre ich tot. Impfung ist eine der großen Errungenschaften der Medizingeschichte. Es gibt keinen Grund zu befürchten, dass die impfenden Staaten der Welt, demokratische und diktatorische, mit dieser Impfung Böses im Schilde führen.

Dann lasst euch eben nicht impfen! Und wenn alle anderen geimpft sind, stellt ihr kein Risiko mehr dar. Das radikale Misstrauen macht mir mehr Sorge. Ich sehe, dass gesellschaftliche Gruppen extremer werden, dass eine Polarisierung stattfindet und der Zusammenhalt schwächer wird. Hoffentlich wird es in Deutschland nie so furchtbar werden wie in den USA. Dafür müssen wir uns alle zusammen einsetzen.

Deine Meinung

Ulf Buschmann: ICH HABE MICH INFIZIERT, 4.3.

Es klingelt. Margret und Horst Begerow stehen unten an der Haustür. Doch einlassen kann ich sie nicht. Ich bin in Quarantäne, deshalb müssen wir es bei einem kurzen Plausch übers Fenster belassen. Vor der Tür steht ein Becher mit einem Gruß. „Gute Besserung wünscht Dir, lieber Ulf, das Friedhofsteam“, ist darauf zu lesen. Einige Tage später erkundigt sich Christine Asmussen  aus dem Gemeindebüro nach meinem Wohlbefinden. Auch Pastor Volker Keller reiht sich in die unzähligen Menschen ein, die horchen, wie es mir geht. „Dann schreibe doch gleich mal Deine Erfahrungen auf“, bittet er mich. Das tue ich! Dass mich so viele Genesungswünsche erreichen, ist nicht alltäglich. Ebenso wie meine aktuelle Lebensumstände. Ich habe mich mit dem Coronavirus infiziert und verbringe den größten Teil des Novembers in häuslicher Quarantäne. Wo ich mich angesteckt habe, weiß ich nicht. Aber ist letztlich egal. Wichtig ist für mich, dass die Infektion keinen schweren Verlauf genommen hat. Ich hatte Glück.

Alles begann um den 2. November:  Meine Beine wurden schwer, die Nase war dicht und ich fühlte mich schlapp. Anfangs dachte ich, ich hätte mich wieder erkältet, wie es jedes Jahr um diese Zeit der Fall ist. Jedoch: Zum Wochenende hin fühlte ich mich immer mehr undefinierbar schlecht. Also versuchte ich in der kommenden Woche zwei Tage lang, einen Testtermin bei der Coronaambulanz Bremen-Nord zu bekommen – vergeblich. Den Test übernahm am 11. November mein Hausarzt. Einen Tag später teilte er mir mit, dass ich Covid-19-positiv sei. Meine Symptome: Husten, Abgeschlagenheit, leichte Atemprobleme beim Treppenlaufen, leichter Durchfall. Immerhin ist mein Geruchs- und Geschmackssinn noch da.

Innerhalb kurzer Zeit hat sich ein – im wirklich sehr positiven Sinne – soziales Netzwerk um mich herum gesponnen. Verwandte, Freunde, Kolleginnen und Kollegen und viele andere Menschen boten mir ihre Hilfe an: „Falls Du etwas brauchst, melde Dich.“ Meine Mitbewohner aus der unteren Wohnung waren am schnellsten. Sie kaufen seitdem täglich für mich ein. So viel Zuspruch haut mich immer noch um – und ist für mich Ansporn, ebenfalls anderen Menschen zu helfen.

Ein Bremer: DER NÄCHSTE IST DER FEIND, 25.2.

Ein Fortschritt in der Krise:  Flugzeuge bleiben am Boden, weil Unternehmen das Arbeiten von Zuhause entdeckten und die Konferenzen über Bildschirme. Letzteres war mir schon vorher geläufig, solche Besprechungen  auf Dauer sind  unbefriedigend, weil man die Gesprächspartner nie kennen lernt. Aber schon ein Tag nur Videokonferenzen  empfinde ich als Strafe. Ja, zu Hause, mobile Office (Infrastruktur auf eigene Kosten),  mag ganz praktisch sein, ich als Single gehe doch lieber in die Firma. Per Video –  das geht nur bei virtuellen  Arbeiten über Draht,  viele andere Arbeiten  müssen immer noch  zusammen erledigt werden.

Im Übrigen leiden ja gerade die Kirchen, denke ich, unter der Kontaktfreiheit. Radio- oder Fernsehgottesdienste gibt es seit langem und sind sicher eine Wohltat für die, die sich sonst nur noch wenig bewegen können,  für mich (und andere ?) ist das kein Ersatz und auch nicht der fast passive Maskenball in realen Kirchen. Man verweilt  in Schockstarre. Ich habe bis jetzt noch wenig/nichts gesehen,  um aus diesem Dilemma raus zu kommen, nur: Warten auf die Impfung.  Nur  befürchte ich, dass damit  das Grundproblem nicht weg ist. Bei diesen Arten von Infektionskrankheiten kann der Nächste der Infektor, der Feind sein – nur, wie soll man ihn sehen? Infektionskrankheiten sind unsozial, man kann ihnen daher nichts Gutes abgewinnen.  Wo zwei oder drei versammelt sind, ist ein Virus mitten unter ihnen.

Flugzeuge sind in Teilen der Gesellschaft inzwischen ein ähnlich Rotes Tuch wie Kernkraftwerke – wissende, verstehende Leute brauchen sowas nicht! Da denke ich etwas an das Buch meiner Studienzeit „Haben oder Sein“ (von Erich Fromm),  wo am Ende ein verständiger Rat der Wissenden noch benötigte Ressourcen zuteilte. Ich brauche solche Bevormundung  nicht. Ja, Züge sind viel effektiver, von mir bevorzugt wie Schiffe.

Dr. Norbert Schmacke, Professor für Medizin i.R.  am Institut für Public Health  der Universität Bremen:   SORGFÄLTIGE  BEWERTUNG  VON  NUTZEN  UND  RISIKEN, 15.2.

Das Corona (SARS-COV-2) Virus hat uns letztes Jahr überfallen. Die wenigsten haben damit gerechnet. Nur wer viel herumgekommen ist in der Welt, war nicht völlig überrascht, dass es eine solche Pandemie gab, die tatsächlich das ganze „global village“ erfasste. Alles nicht so schlimm, haben viele zunächst gedacht. Ich gestehe: ich habe auch einige Wochen gebraucht, bis ich gesehen habe, dass hier nicht einfach eine Variante von Influenza herumwanderte, sondern ein deutlich gefährlicheres Virus. Die Bilder aus Bergamo haben mich letztlich erschüttert und wach gerüttelt. Jetzt gibt es seit Jahresanfang erste Impfstoffe. Nach nicht einmal einem Jahr! Das ist sensationell: mit dem Wort bin ich wirklich sehr sparsam. Andere Impfstoffe werden folgen. Und es besteht Hoffnung, keine Gewissheit freilich (die gibt es auf dieser Erde nicht), dass damit diese Pandemie beendet oder auf ein erträgliches Maß zurückgedrängt werden kann. Anlass zu großer Freude! Nicht alle aber sehen das so. Einige bezweifeln, dass die Impfungen überhaupt was bringen. Andere haben Angst vor Nebenwirkungen. Und dann gibt es eine wachsende Stimmung: zu langsam, zu wenig, die EU und die Bundesregierung haben versagt. Da frage ich mich, wo die Maßstäbe bleiben. Die deutsche Regierung hat mit dafür gesorgt, dass eine gesetzlich vorgeschriebene sorgfältige Bewertung von Nutzen und Risiken durch die europäische Arzneimittelkommission abgewartet wurde und es keine Notfallzulassung in der EU gab. Das war nicht nur gesetzeskonform sondern auch klug: es ist sehr viel besser, wenn Impfstoffe auch in Krisenzeiten von wissenschaftlichen Institutionen bewertet werden und nicht von der Politik. Ja klar, einige Länder sind flinker und schon deutlich weiter mit dem Impfen. Jetzt frage ich ein zweites Mal nach den Maßstäben. Viele arme Länder sind weit von den Zielen entfernt, die wir in wenigen Monaten erreichen werden. Der Chef der Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Adhanom Gebreyesus, spricht von einem „katastrophalen moralischen Versagen“ der Welt. Wenn armen Ländern nicht ausreichend Impfstoffe zur Verfügung gestellt würden, dann werde Herdenimmunität dort nicht vor 2023 erreicht, warnt er. Ob das die eine oder den anderen vielleicht doch überzeugen kann, gelassener zu werden? Es ist wirklich ein globaler Infektionszug, der da hin- und herwandert, besser: von Menschen transportiert wird. Es gibt keine Zäune, mit denen die reichen Länder sich am Ende schützen können, wenn die Pandemie auf der Südhalbkugel weiter tobt. Wir müssen abgeben, unterstützen: das ist für mich die Lehre aus der Corona-Pandemie. Es ist keine neue Erkenntnis.

Gerd-Rolf Rosenberger, Altenpfleger i.R., wirbt in Bremen-Nord  für die neue Zeitung:

                                       ZEROCOVID, 9.2.

Die Corona-Leugner behaupten:Es gibt unterschiedliche Auffassungen zur Pandemie.“ Das ist falsch. Epidemiologie ist eine Wissenschaft. Ein erheblicher Teil der Pandemie-Entwicklung folgt Mathematik und Naturgesetzen.

Der Mainstream tönt: „Aber die Zahlen sinken doch“. Vergleichbares hatten wir im Sommer 2020. Die Wissenschaft warnte: Es kommt die zweiten Welle. So war es. Im Übrigen droht im März (Stichwort: Mutanten) die dritte Welle.

ZeroCovid fordert: Die Reduktion der Infektionen nahe Null. Das ist notwendig, um eine große Zahl von Menschenleben zu retten. Das ist machbar durch eine solidarische Kraftanstrengung der Gesellschaft. Eine Fortsetzung der Jojo-Politik bringt weiteren Zehntausend Menschen den Tod, vor allem Einkommensschwachen und Alten.

Merkel, Spahn & Wieler behaupten: Wir tun unser Bestes. Das trifft nicht zu. In mehr als einem Dutzend Länder, in denen mehr als 1,8 Milliarden Menschen leben, klappt ZeroCovid. U.a. in Taiwan, Neuseeland, Australien, Vietnam, Südkorea und China können die Menschen wieder weitgehend ihr gewohntes Alltagsleben führen… (Auszüge)


Holger Bischoff zu „GOTTESDIENST NACH HAUSE“, 5.2.
Mit der Idee, dass die Popgottesdienste zu uns nach Hause kommen, triffst du bei vielen, vielen Herzen tief hinein. So mancher Gottesdienstbesuch fällt ja flach, allerdings nicht aus Desinteresse, sondern vielleicht doch ein bisschen Ängstlichkeit. Obwohl es in den Kirchen super Hygienekonzepte gibt. Es geht ja auch nichts über echte Präsenz. Ist doch gar keine Frage. Mit gefällt es sehr gut, dass Kirchen in Bremen Nord sich nicht wegducken, sondern Menschenmögliches ausprobieren, neue Wege und Pfade suchen. Not lehrt Menschen beten, hat mir immer eine ältere Dame gesagt und sie hatte recht. Nur das alleine beten, dass wäre so eine Sache, sagte sie im selben Atemzug. Die digitale Verbindung war da nicht, sie lädt heute uns alle ein. Warum nicht? Präsenz wo möglich, wo nicht möglich also digital.
Und nach der Pandemie sehen wir uns hoffentlich in Massen wieder und singen so laut zur Band oder Orgel, wie wir es können. Dann werden die Vegesacker Cafes wieder geöffnet haben und meine Zeitung lese ich wieder immer freitags dort.

Ronald Herr, Pastor: GRÄBEN ÜBERBRÜCKEN, 10.1.
Es geht ein Riss durch unsere Gesellschaft. Wir sollten aus den gegenseitigen Schuldzuweisungen rauskommen. Die Querdenker müssen lernen, dass die andere Seite nicht nur einfach gekauft und von Lügen durchdrungen ist. Und die „Mainstream“ Seite muss begreifen lernen, dass die Querdenker-Seite nicht aus lauter Idioten, Ignoranten und Staatsfeinden besteht. Man sollte nie vergessen, dass jemand, der mit dem Finger auf andere zeigt, mit drei Fingern auf sich selbst zeigt. Sollte nicht gerade die Kirche sich darum bemühen, den Graben zu überbrücken?

Susanne Böttcher, Ärztin: MOTIVIEREN STATT GEMECKER, 8.1.
Natürlich sind wir langsam. Aber wir sind eben Europäer und nicht Asiaten. Eine ganz andere Mentalität. Natürlich hätte alles anders und schneller etc organisiert werden können… hinterher wissen wir es besser.
Aber wenn ich höre, dass das Gesundheitsamt auch noch nachts die Menschen informiert und betreut, und wenn ich höre, dass das Pflegepersonal in den Heimen ihre Familien nicht mehr besucht aus Sorge, sich anzustecken und dann ihre Senioren… dannn frage ich mich, wie kommt bei diesen Menschen die Kritik an. Wie werden sie weiterhin neben dem ständigen Gemeckere ihre Motivation einhalten können? Es sind eben keine hochdotierten Fussballtrainer, die sich mit den Laientrainern rumschlagen müssen. Ich denke, wir müssen da jetzt durch, müssen lernen, aber besonders unterstützen und motivieren.

Ronald Herr: „INVASION VON VIREN UND BAKTERIEN“, 8.2.

            Ich staune, dass ich „Ich“ bin.

Seit einem Jahr wird die Welt von einem kleinen, mit den Augen nicht sichtbarem Wesen in Atem gehalten, das offenbar unser ganzes Tun und Handeln auf den Kopf stellt und dem wir den Namen Covid 19 gegeben haben. Da es immer gut ist, etwas über seinen Gegner zu wissen, habe ich bei Google nachgefragt. Dabei bin ich ins Staunen gekommen:

Ich bin mir bewusstgeworden, dass ich – biologisch gesehen – eine ungeheuer große Ansammlung winzig kleiner, nur unter dem Mikroskop sichtbarer Zellen bin. Wie machen die das eigentlich, dass daraus meine Gestalt entsteht, dass diese Gestalt sich nicht ständig verändert und dass all die vielen Funktionen, die mein Körper wahrnehmen muss, durchgeführt werden. Wie bewirken sie den Zusammenhalt und die Interaktionen? Wie findet jede Zelle ihren Platz? Warum kommt es nicht zu einem ungeheuren Chaos?

Ich bin mir bewusstgeworden, dass ich – biologisch gesehen – ein großes Schlachtfeld bin. Permanent gibt es Invasionen von Viren und Bakterien, die in mich eindringen und meinem Leben den Kampf ansagen. Aber dann geschieht etwas Eigenartiges: Sofort werden Kampftruppen mobilisiert. Kampfzellen / Antikörper stürzen sich auf die Eindringlinge und versuchen, sie zu vernichten. Wer erteilt ihnen den Befehl? Wer schickt sie zum Einsatzort? Wer koordiniert den Kampf?

Ich mache mir bewusst und staune darüber, dass dieses Ich, diese Ansammlung von Zellen einzigartig im ganzen Universum ist – und das gilt nicht nur für mich, sondern für jedes Lebewesen: sei es Pflanze, Tier oder Mensch. Wie kommt das eigentlich?

Ich glaube nicht, dass die Zellen von sich aus dazu in der Lage sind. Ich glaube auch nicht, dass es ein Zufall der Evolution ist. Vielmehr glaube ich, dass es der Wille meines Schöpfers ist. Wir leben nicht in einer gottverlassenen Welt. Zusammen mit allen Geschöpfen bin ich von Ewigkeit her gewollt – nicht um in der Masse unterzugehen, sondern als Person, als „Ich“.

Das aber lässt mich nicht nur staunen, sondern macht mich auch zuversichtlich: Mein Schöpfer, wenn er mich bis heute haben will, dann will er es doch auch morgen und in Zukunft. Das macht mich getrost für den Weg, der vor mir liegt: Komme, was da mag.

Volker Keller: GOTTESDIENSTABSAGE  HEILIG ABEND; 20.12

Erstmals in der 203-jährigen Geschichte der Kirchengemeinde bleiben die Türen Heilig Abend zu. Durch die höchste Totenzahl gestern, durch zunehmenden Druck auf Kirchen (Bundesverband der Ärzte fordert Absage; manche ev. Landeskirchen haben sämtliche Gottesdieste abgesagt) und durch die Aussicht, durch Gottesdienste und private Feiern im Anschluss eine starke Steigerung der Infektions- und Todeszahlenzahlen auszulösen, drängt sich diese Maßnahme auf. Das Zeichen ist: Leute, meidet Versammlungen, sonst wird sich im Januar schlimmstenfalls herausstellen, dass der Lockdown wegen Heilig Abend vergeblich war.
Wird der Bevölkerung etwas fehlen? Möglicherweise dem einen oder anderen. Gottesdienst, Glaube in schöner, ritualisierter Form, ist nicht nur Beiwerk, sondern war in der Vergangenheit immer Hauptbestandteil des Festes und der Mensch unserer Tage vermisst möglicherweise, sich in ein Ritual hinein zu geben, sich selbst dabei zu vergessen und einer größeren Wirklichkeit, Gott, bei sich Raum zu geben. Mein Eindruck: Es fehlt Verinnerlichung. Religion lädt ein, die Augen zu schließen und nach innen zu gucken und – die Quelle zu entdecken…
Die nächsten Gelegenheiten dazu sind am 2. Weihnachtstag um 10.30 Uhr und zu Silvester 17 Uhr (mit Anmeldung).

Pastor Ingbert Lindemann: „Da haut es dir den DINKEL AUS DER RÜBE“, 14.12.
„Die Pest“ habe ich schon als Schüler gelesen und dann noch mal vor einigen Jahren: Ganz meine Meinung.
Zu den Coronaleugnern: Soll man mit Andersdenkenden das Gespräch suchen? Natürlich hat niemand die Wahrheit für sich allein gepachtet, ich auch nicht. Aber alles hat sein Grenzen. Es gibt leider völlig bekloppte Leute im Reden und Handeln, da macht das Gespräch keinen Sinn: Auschwitzleugner, Schwulenhasser, Antisemiten, Hass- und Gewaltprediger – da haut es dir den Dinkel aus der Rübe, wenn du mit denen redest.

Gerd-Rolf Rosenberger: „CORONA-DIKTATUR?“, 12.12.
Die Corona-Lage ist äußerst dramatisch. So viele Menschen sterben täglich und viele Tausende sind infiziert. Unsere Initiative Nordbremer Bürger gegen den Krieg machte schon vor 1 9 Jahren auf den wöchentlichen Friedenskundgebungen darauf aufmerksam, dass es ein Widerspruch ist, Milliarden für todbringende Rüstung und Kriege auszugeben, aber 2 4 0 0 0 Kinder verhungern täglich und Menschen sterben an „einfachen“ Infektionskrankheiten. Wir forderten, die Priorität auf Gesundheit und Soziales zu legen!
Vor 5 Jahren wurde gewarnt, dass es eine Viruspandemie geben kann, die den ganzen Erdball erfasst. Es wurde fast nichts getan. Ärgerlich für mich aber auch, wenn es einzelne Menschen auf unseren Friedenskundgebungen gibt, die von einer Corona-Diktatur sprechen. Das muss entschieden zurückgewiesen werden! Ich wäre dann ja wohl kaum in der Lage, überhaupt diese Zeilen zu schreiben. Als Atheist hatte ich aber schon im März Probleme damit, als auch die Kirchentüren geschlossen wurden. Das sehe ich über Weihnachten nicht anders. Gerade hier sehe ich nicht ein besonderes Ansteckungsrisiko bei der Diszipliniertheit mit Masken, Sicherheitsabständen und Desinfektionsspray. Aber besonders auch in diesen für mich oft „schwermütigen“ Zeiten trauere ich um meinen guten Freund Holger, der am 28. November 2020 verstorben ist.

Jürgen Steuer: „URSACHENFORSCHUNG“, 11.12.
Der Lockdown funktioniert nicht so gut.
Da ist es erforderlich nach den Ursachen zu forschen.
– Querdenker 20. 000 bei einer Demo. Wieviele gibt es in jeder Stadt. Seuchenverbreiter?
– Großfamilen (deutsche und ausländische) und ihre Wohnstrukturen/ Verhaltensweisen/ hohe Zahlen in Gröpelingen, Vahr

Herbert Brüdt: „DESORIENTIERT“, 4.12.
Veranstalte doch mal eine Podiumsdiskussion in der Kirche zum
Thema Corona, um den vielen desorientierten Gläubigen einen fundierten Halt zu geben.
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