Gazakrieg Israels – siehe unten:  Komplize Deutschland / Weser Kurier.

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Als Antisemit verleumdet

Wie sie mich zum „Judenhasser“ machten

Vier Mal habe ich Israel und Palästina besucht. Eine weitere Reise dorthin werde ich nicht antreten, weil ich damit rechne, bei der Einreise abgewiesen zu werden. Lobbyisten des Staates Israel wie Benjamin Weinthal, Journalist bei der Jerusalem Post, bezeichnen mich als Antisemiten. Im Jahre 2016 erfuhr ich, was es bedeutet, Opfer einer Verleumdungskampagne zu werden. Ungeschickt hatte ich Weinthal provoziert. In einem Schreiben kritisierte ich seine Jagd auf angebliche Antisemiten in Deutschland. Als Judenhasser gilt ihm, wer die Politik des Staates Israel gegenüber dem palästinensischen Volk kritisiert – zum Beispiel das Veranstaltungszentrum Villa Ichon in Bremen, wo auch Israelkritiker zu Wort kommen, Mitarbeiter vom Goetheinstitut, die vor Ort das Leiden von Palästinensern unter der israelischen Besatzung erlebt haben und darüber öffentlich sprechen, der jüdische Psychologie-Professor Rolf Verleger und viele mehr… Ich beschwerte mich ironisch darüber, dass Weinthal mich bisher übersehen hatte. Immerhin übte ich das Amt eines Beauftragten der Bremischen Evangelischen Kirche für den Dialog mit den Religionen aus. Meine öffentlichen israelkritischen Bemerkungen waren Weinthal offensichtlich entgangen. Ich schrieb ihm also und bat um Verleumdung, meine Mail unterzeichnete ich spöttisch mit „Volker Keller, Antisemit“. Er ließ sich nicht lange bitten. Und andere auch nicht.

Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Bremen, Elvira Noa, stellte fest, dass ich mich „offen antisemitisch präsentierte“. Die Zeitung „Taz“, Jean-Philipp Baeck,  brachte eine ganze Seite über mich und erfand den Zusammenhang mit der „BDS“-Bewegung  (Boykott-Deinvestition-Sanctionen): Ich hätte mich an Aufrufen und Aktionen zum Handelsboykott von Waren aus den von Israel  besetzten Gebieten  beteiligt.  Ferner brachte die Taz eine Behauptung von Weinthal, ich wolle den Staat Israel zerstören. Das American Jewish Committee warf mir „undemokratische und menschenverachtende Ideen“ vor. Abraham Cooper vom Simon Wiesenthal Zentrum forderte von der Kirche meinen Rauswurf und Rabea Westarp stellte meinen Namen in den Zusammenhang mit Brandanschlägen auf Synagogen. (Das Zentrum verurteilte im Übrigen auch den ehemaligen deutschen Botschafter bei den UN, Christopf Heusgen, den Herausgeber des SPIEGEL, Jakob Augstein, und das Goetheinstitut als antisemitisch.) Ebenso äußerte sich der  jüdische Autor Henryk Broder  über den „Antisemiten Volker Keller“  und warnt: Wenn Sie Keller am Bremer Hauptbahnhof treffen und er will ihr Gepäck tragen, wissen Sie ja, wen Sie vor sich haben.  Viele andere stimmten  in die Verdammung mit ein.  Weinthal informierte seine Leser in einer Breaking News von Jerusalem Post, dass sich ein Bremer Pastor zum Judenhasser erklärt habe und zitierte in dem Zusammenhang  die Bremer Grünenpolitikerin  Kirsten Kappert-Gonther, heute Abgeordnete des Deutschen Bundestages und Vizepräsidentin der Deutsch-Israelischen Gesellschaft: „As the Green faction, we are preparing a parliamentary inquiry that will deal with anti-Semitic tendencies in Bremen.“ Die Jüdische Allgemeine stellte fest, dass ich mit Israelhassern zusammenarbeite und zitierte dazu Gregori Pantijelew, den zweiten Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Bremen. In einem Brief an die Bremer Kirchenleitung empörte sich die Jüdische Allgemeine darüber, dass Keller „als Pastor für eine ihrer Gemeinden weiterhin Einfluss nimmt“ und forderte  mit Bezug auf Elvira Noa  indirekt ein Berufsverbot. Was ich zeigen will: Hier wurde mit  ganz großer Keule hemmungslos von allen Seiten draufgehauen.

Widerspruch kam von der Vorsitzenden des Bremer Rates für Integration, Libuse Cerna: „Herr Keller hat sich immer für den Dialog zwischen Juden und Muslimen eingesetzt und engagiert gegen Antisemitismus gekämpft.“ An Weinthal schrieb sie, dass mein Text „eindeutig sarkastisch“ sei. So sehe ich mich selbst. Ich kann belegen, dass ich mich öffentlich wertschätzend über das Volk der Juden geäußert habe, über seine Widerstandskraft in schlimmster Verfolgung, über die Schönheit seiner religiösen Feste und Rituale. Was mich aber in den Augen der Israellobbyisten zum Judenfeind macht, ist meine Solidarität mit den Palästinensern. Ich lasse keinen Zweifel daran, dass ich für das Existenzrecht Israels eintrete, aber ich erlaube es mir, eine Politik zu kritisieren, die im Ranking der Länder mit den meisten Verurteilungen durch den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen zwischen den Jahren 2006 und 2023 einsam an der Spitze steht. Im Jahre 2022 erhob die Menschenrechtsorganisation Amnesty International gegen Israel den Vorwurf, in den palästinensischen Gebieten ein Apartheidregime errichtet zu haben. Als Apartheid wird bezeichnet, wenn ein Staat bestrebt ist, eine rassische Gruppe dauerhaft zu dominieren, diese Gruppe systematisch unterdrückt und sich schwerwiegende Verstöße in Form unmenschlicher Behandlung zuschulden kommen lässt. Der jüdische Stardirigent Daniel Barenboim verachtet die Gewalt des Staates Israel und der jüdischen Siedler in Palästina: „Ich glaube nicht, dass das jüdische Volk zwanzig Jahrhunderte lang überlebt hat – zumeist verfolgt und endlose Grausamkeiten ertragend –, nur um heute zu den Unterdrückern zu werden, die anderen Grausamkeiten zufügen…. Deshalb schäme ich mich heute dafür, Israeli zu sein.“

Meine Gegner aus dem politischen Judentum setzten sich durch – ich verlor mein kirchliches Amt. Ich will ehrlich sein: Ein Rest Wut auf die Verleumder hat sich bis heute gehalten. Und meine Gegnerschaft zum Staat Israel ist nicht schwächer geworden. Wie soll ich nun über eine Reise nach Israel und Palästina schreiben?, das war die Frage, als ich meine Reisebuch über den Nahen Osten schrieb.  Unparteiisch? Dafür sehe ich zu viele Gesichter vor mir, Gesichter von christlichen Palästinensern mit traurigen, müde gewordenen Augen. Ich besuchte ihre Gemeinden und Gottesdienste, übernachtete in ihren Häusern, hörte ihre Berichte von Unterdrückung und Demütigung. Und ich sehe ebensolche Gesichter von muslimischen Palästinensern.

Worin liegt der Grund für eine politische Realität, die nicht Krieg und nicht Frieden ist? Zwei Völker erheben den Anspruch auf ein und dasselbe Land, eine Hightech-Armee mit Atomwaffen und ein armes Volk ohne Staat und ohne Militär. Warum arrangiert man sich nicht miteinander und findet einen gemeinsamen Weg zur Überwindung des Konflikts? Auf die Frage antworten Palästinenser gerne mit einem Gleichnis: Ein Araber ritt auf seinem Esel durch die Wüste. Er traf auf einen Mann, der zu Fuß unterwegs war und fragte ihn, ob er auf seinem Esel mitreiten wolle. Der Mann freute sich über das Angebot. Nachdem beide eine Zeitlang geritten waren, fragte der Mann: „Sind wir nicht eine zu schwere Last für deinen Esel?“ Er schaffe das, beruhigte ihn der Besitzer des Tieres. Wieder nach einer Weile stellte der Mann fest: „Unser Esel läuft immer langsamer.“ Daraufhin verlangte der Besitzer, dass er absteigt und zu Fuß weiter geht. Der Mann wollte den Grund dafür wissen und bekam als Erklärung zu hören: „Zuerst hast du noch von meinem Esel gesprochen, bald aber schon von unserem; wenn wir noch weiterreiten, wirst du ihn als deinen Esel bezeichnen.“ Palästinenser meinen mit dem Araber sich selbst, der Mann symbolisiert Israel: Israel will alles für sich allein, das ganze Land, für die Palästinenser soll nichts mehr übrig bleiben. Was das konkret bedeutet, zeigen Plakate, die man in Ostjerusalem und im Westjordanland häufig an Wänden sieht. Sie zeigen vier Mal unterschiedliche Abbildungen des Landes. 1946 sind nur wenige jüdische Siedlungen in einem von Palästinensern bewohnten Land eingezeichnet. 1947 besiedeln Juden und Palästinenser das Gebiet mit gleichen Anteilen. 1967 befindet sich der Großteil des Landes in jüdischer Hand, die Palästinenserterritorien Gaza und Westjordanland werden durchtrennt von israelischem Gebiet. Und schließlich 2008: Viele jüdische Siedlungen machen das palästinensische Westjordanland zu einem zusammenhanglosen Flickenteppich, nur noch 22 Prozent des Landes gehören den Palästinensern. Der Mann will den Esel haben.

Benjamin Weinthal beschäftige sich überaus intensiv mit mir. Er fand heraus, in welchen kirchlichen und weltlichen Einrichtungen ich mitarbeitete. Schrieb alle an und verlangte meinen Rauswurf. Drohte, dass er andernfalls gegen die Einrichtung vorgehen würde. Libuse Cerna teilte er mit, dass ich stolz auf meinen Judenhass sei. Sein Ziel war offensichtlich meine berufliche und soziale Vernichtung. Ich bin übrigens kein Einzelfall. L. vom Goetheinstitut schrieb mir und anderen „Opfern von Beleidigungen, Angriffen und Verleumdungen als Antisemiten des Herrn Weinthal“: „Im Moment versucht er, meinen ehemaligen Arbeitgeber Goethe-Institut, bei dem ich 38 Jahre angestellt und für den ich meist im Ausland tätig war, mit unflätigen Unterstellungen unter Druck zu setzen.“

Strafrechtlich zu belangen ist Weinthal nicht, da er seinen Wohnsitz in Jerusalem hat.

In Deutschland herrscht Angst, sich frei zu äußern.  Es ist höchste Zeit, dass sich etwas ändert.

P.S.: Wen sie, maßgebliche Instanzen der israelischen Politik,   auch noch als (angebliche) Antisemiten denunzieren: Den Internationale Strafgerichtshof in Den Haag, den Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Gutierrez, den Spiegel-Herausgeber Jakob Augstein, den früheren UN-Botschafter Deutschlands, Christoph Heusgen, den früheren Berliner Bürgermeister Michael Müller, den jüdischen Professor Omar Bartov, Lehrstuhl für Holocaust- und Völkermordstudien Universität Princeton, den Weltkirchenrat (Israel betreibe Apartheit und stehe im Verdacht des Völkermords), die ARD-Journalistin Sophie von der Tann (Büro Israel), den jüdischen Philosophen Professor Omri Böhm  und viele andere Persönlichkeiten. Da ist man doch  in allerbester Gesellschaft.

 

(Siehe auch im Menü „Reportagen“: „Die letzte Hoffnung der Palästinenser“)

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Völkermord-Klage gegen Israel. Haftbefehl für Netanjahu. Deutschland macht sich zum Komplizen 

Freie Meinungsäußerung zu Israel ist in Deutschland erheblich eingeschränkt. Wer Israel kritisiert, muss mit  Diffamierung als Antisemit rechnen. Das Grauen von Gaza verlangt, klar Stellung zu beziehen.

Ich zitiere im folgenden die Wochenzeitschrift DIE ZEIT vom 11.1.2024 zur Anklage Israels durch Südafrika vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag. Der Vorwurf lautet: Völkermord. Mittlerweile sind Spanien, Nicaragua, Kolumbien, Libyen, Mexico, die Türkei  und weitere Staaten der Klage beigetreten.

Folgen der israelischen Bombardements in Gaza sind  100 000 Tote und wesentlich mehr Verletzten und unter Trümmern Vermisste; unter den Toten  sind ca. zwei Drittel Frauen  und Kinder. Ein Großteil der lebensnotwendigen Infrastruktur (Felder, Wasser, Strom, Bäckereien, Krankenhäuser) ist durch Israel zerstört worden, ebenso religiöse, kulturelle und archäologische Stätten. Südafrika bezieht sich mit seinen Daten auf Organisationen der Vereinten Nationen ( Welternährungsprogramm und Weltgesundheitsorganisation) sowie auf das Kinderhilfswerk Save the Children, nach deren Einschätzung mehr Menschen in Gaza an Hunger und Seuchen sterben als durch Luftangriffe. Zur Zeit (2024)  lässt Israel täglich 30 Laster mit Lebensmitteln für knapp 2 Millionen Menschen in den Gazastreifen einfahren, nötig wären täglich 500. Israel missachtet die Aufforderung des Internationalen Gerichtshofs, für die Versorgung der Bewohner Gazas zu sorgen und sie vor dem Hungertod zu schützen. UN-Organisationen berichten, dass 95 Prozent der Gaza-Bevölkerung an Hunger leiden und dass Menschen bereits verhungert sind.

Kein Zweifel bestehe für Völkerrechtler daran, dass bereits die Abriegelung des Gazastreifens durch Israel in der Vorkriegszeit ein Kriegsverbrechen darstellt. Der Tatbestand des Völkermords liegt vor, wenn eine ethnische, religiöse, rassische oder nationale Gruppe teilweise oder vollständig zerstört werden soll. Der Tatbestand sei auch dann erfüllt, wenn die Lebensgrundlagen zerstört würden – was in Gaza geschieht.

Liegt eine genozidale Absicht vor? Die israelische Regierung hat die Gazabewohner vor Beschuss aufgefordert,  aus Gaza City zu fliehen – das widerspricht einer Absicht. Aber als Gazasüd von Vertrieben überfüllt war, wurde es bombardiert. Israel sagt, um Hamas zu treffen. Billigend wird die Tötung der Vertriebenen in Kauf genommen.

Südafrika bezieht sich in seiner Klage auf Äußerungen aus der Regierung Israels: Der Vizeparlamentssprecher erklärte, Ziel der militärischen Operation müsse sein, „Gaza vom Erdboden zu tilgen“; der Premierminister bezog sich mehrfach auf Abschnitte des Alten Testaments, in dem es heißt, dass die Israeliten einen feindlich Stamm, Amalek, vernichteten.  Weitere menschenfeindliche Äußerungen von rechtsextremen Regierungsmitgliedern und Knessetabgeordneten des Likud: „Man sollte hier keine halben Sachen machen. In Rafah, Deir al-Balah, Nusirat – totale Zerstörung, Vernichtung“ (Finanzminister Smotrich). Und: „Gaza solle jetzt ausgelöscht werden“ (Distal, Abgeordneter des Likud). Und: „Zerstören, zerschlagen, auslöschen, zerquetschen, verbrennen. verwüsten, vernichten…“ (Ben-Gvir, Minister für Innere Sicherheit). Und: „Jedes Kind, jedes Baby in Gaza – das ist der Feind. Es sollte kein einziges Kind mehr in Gaza übrig bleiben“ (Feiglin, Abgeordneter des Likud).

Die israelischen Völkerrechtler Cohen und Shany klagen an, dass israelische Behörden nichts gegen die Rhetorik der Vernichtung der Palästinenser in Teilen von Politik und Gesellschaft unternommen hätten. Nach einer Erhebung der Penn State University (USA) zufolge befürworten 82% der Israelis die Vertreibung der Palästinenser aus Gaza.

Laut UN-Völkermordkonvention müsse auch die öffentliche Aufstachelung zu Völkermord bestraft werden. Gleichzeitig terrorisiert ein durch die israelische Besatzungsarmee gedeckter „jüdischer Terrorismus“ die palästinensische Bevölkerung im Westjordanland (Zitat von Ronan Bar, ehemaliger Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Beth – siehe DIE ZEIT vom 30.10.2024, Seite 8).

Am 26.1.2024 hat der Gerichtshof die Klage Südafrikas angenommen und ihr damit Relevanz zuerkannt. Der Gerichtshof urteilte, dass die Gefahr eines Völkermords  gegeben ist und hat mit Ermittlungen begonnen. Auch im Antrag des Chefanklägers in Den Haag auf Haftbefehl  für Israels Präsidenten  Netanjahu heißt es, dass die Bevölkerung durch Israels Armee „zielgerichtet“ angegriffen wird und dass Hunger als Mittel der Kriegführung eingesetzt wird. Im November 2024 wurde Haftbefehl gegen Netanjahu erlassen. Für Amnesty International gibt es keinen Zweifel: Die Menschrechtsorganisation beschuldigt Israel im Dezember 2024, Völkermord zu begehen. Ebenso klagte die die Sprecherin des UN-Menschenrechtsrats, Navi Pillay, Israel an, vorsätzlich Völkermord zu begehen. Die deutsche Regierung  bestreitet den Vorwurf.

Warum wird die Hamas nicht wegen Völkermords am 7.10.2023 angeklagt? Weil sie kein Staat ist. Der Internationale Strafgerichtshof, auch in Den Haag, hat Ermittlungen wegen Terrorismus und  Kriegsverbrechen gegen die Hamas eingeleitet.

Die früheren deutschen Minister der Grünen, Habeck und Baerbock, haben mit Unverständnis und Ablehnung auf die Völkermord-Klage Südafrikas und vieler weiterer Länder sowie  die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens durch das Weltgericht in Den Haag reagiert.  Weiter:  Nach dem Haftbefehl für den israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu durch den Internationalen Gerichtshof stellte Baerbock infrage, dass der mutmaßliche Kriegsverbrecher  bei einem Besuch in Deutschland verhaftet würde (wozu Deutschland verpflichtet wäre. Sie nennt als Grund die deutsche Geschichte. Was für ein absurdes Geschichtsverständnis. Einige Tage später musste sie ihre fatale Einschätzung zurücknehmen). Die beiden Minister bleiben standhaft in ihrer bedingungslosen Solidarität mit Israel. Wie auch Bundekanzler Merz (CDU). Er  stellte  Netanjahu in Aussicht, ihn trotz Haftbefehls in Deutschland empfangen zu wollen. Außenminister Wadephul (CDU) machte klar, dass die Lieferung von Kriegsgütern an Israel nicht infrage gestellt wird. Das heißt:  Deutschland präsentiert sich  als Partner und Freund der rechtsextremen Regierung Israels. (Nach internationalen Protesten gegen Deutschland verkündet Friedrich Merz im August 2025 einen teilweisen Lieferstopp.) 145 Mitgliedstaaten der Generalversammlung der Vereinten Nationen erkennen mittlerweile Palästina als Staat an – Deutschland lehnt das ab.

Ich schäme mich für die deutsche Politik und insbesondere für die CDU und die Grüne Partei (ich habe sie vierzig Jahre lang gewählt – nun ist Schluss damit).  Waffen aus Deutschlands kommen im Gazakrieg zum Einsatz:  Die Bundesregierung  hat im Jahr 2023 Waffen im Wert von 326 Millionen Euro an Israel geliefert, die meisten Lieferungen fallen  in die Zeit nach dem 7. Oktober. Besonders wichtig für die israelische Kriegsführung sind deutsche Raketenwerfer für den Häuserkampf in Gaza. Bundeskanzler Scholz erklärte, dass Israels Anträge nach dem Terroranschlag vorrangig  behandelt würden  (ZDF: heute-Nachrichten  vom 17.1.2024). Später konnte er auf Vorwürfe der CDU  im Bundestag: „Wir liefern Waffen und wir werden Waffen weiter liefern.“

Ich frage mich, ob politisches Versagen in Deutschland  zum Grauen von Gaza  und zur  Gefahr einer Eskalation zu einem Großkrieg mit beigetragen hat? Jedenfalls sehen das Länder wie Nicaragua und Südafrika so, die Deutschland in Den Haag wegen Beihilfe zum Völkermord angeklagt haben. Deutschland macht sich zum Komplizen eines mutmaßlichen Kriegsverbrechers. Außenminister Wadephul zeigt sich Mitte 2025 noch kühl und unbeeindruckt: „Man kann Israel ein völkerrechtswidriges  Vorgehen nicht vorwerfen.“

Moralische Verwahrlosung diesen Ausmaßes ist unerträglich. Es ist höchste Zeit, dass sich in Deutschland etwas ändert.

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Kommentar von Tom Segev (1945 in Israel geborener Jude. Einer der bekanntesten Historiker des Landes) zum Gazakrieg:

„Israel hat seinen Platz in der europäischen Kultur verloren.“

Zu Israellobbyist Volker Beck (Partei Die Grünen), Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft:

„Wenn Sie immer noch deutsche Waffenlieferungen gutheißen, haben wir uns nichts mehr zu sagen.“

(siehe DIE ZEIT vom 5.6.2025)

 

 

K o m m e n t a r e  siehe unten

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Weser Kurier verleumdet Israelkritiker

Immer wieder verharmlost der Weser Kurier die Verbrechen Israels, greift Israelkritiker an und lässt sie durch Stimmen von Israellobbyisten  als Antisemiten denunzieren. Jedes Mal beschwere ich mich bei der Chefredakteurin Silke Hellwig. Hier sind meine Schreiben an Sie.

 

Zu: Israel lässt Menschen verhungern

Sehr geehrte Frau Chefredakteurin,

Sie liefern einmal mehr ein Stück Leserverdummung durch unwürdigen Journalismus.

Immer wieder zitieren Sie und  Ihre Leute  Israellobbyisten wie die Jüdische Allgemeine oder andere jüdische Organisationen, um Ihren Lesern  die Lage in Gaza zu erklären. In Ihrem „Standpunkt“  am 5.8.  zitieren Sie den Chefredakteur der Jüdischen Allgemeinen mit der verblüffenden Auskunft, Israel liefere ausreichend Lebensmittel nach Gaza, nur ließen  die Vereinten Nationen diese an der Grenze verrotten. „Peyman hat vermutlich recht“, meinen Sie.

Nein, Peyman hat ganz und gar nicht recht und Sie führen einmal mehr Ihre Leser in die Irre.

Israel setze den Hunger in Gaza als Kriegswaffe ein, so erklären neutrale Stimmen die Lage in Gaza. Der frühere Außenbeauftragte der EU, Josep Borrell, fügt zur Klarheit  hinzu: „Die Hungersnot ist von Israel gemacht.“ Hunderte von Lastern stünden an der Grenze mit Lieferungen bereit – Israel ließe sie nicht passieren und mache Gaza zum größten Freiluftfriedhof der Welt.

Ebenso Amnesty International am 8.7.: „Israel verhindert gezielt die lebensnotwendige Versorgung der Zivilbevölkerung, setzt Hunger als Kriegswaffe ein… Israel hält humanitäre Organisationen davon ab, Gaza mit Hilfsgütern zu beliefern.“ Ärzte ohne Grenze ist eine dieser Organisationen und geht mit Israel hart ins Gericht: „Israel setzt Hunger als Waffe ein.“

Mittlerweile klagen israelische Menschenrechtsorganisationen wie B’Tselem ebenfalls die israelische Regierung an: „Hunger ist zu einer Kriegsmethode geworden. Das ist Völkermord.“  Auch der weltbekannte israelische Schriftsteller David Grossmann  verwendet mittlerweile die Anklage  des Völkermords und erklärt seine Verbitterung über die eigene Regierung damit, dass sie die Menschen in Gaza verhungern lässt.

Human Rights Watch stellt klar: „Die katastrophale humanitäre Lage im Gazastreifen ist direkte Folge des israelischen Aushungerns der  Zivilbevölkerung als Kriegswaffe.“

In Ihrem Kommentar schreiben sie, dass man  Gut und Böse nicht mehr auseinanderhalten könne, weil alles so kompliziert ist. Genau so würde ich  auch argumentieren, wenn ich ablenken wollte. Sie wollen Ihre Leser von dem Terror des Staates Israel ablenken.

Warum lassen sich die  Journalisten Ihres Hauses diese Art von ethosfreiem Journalismus eigentlich gefallen? Warum gibt es keinen Aufstand gegen Sie und die Israellobbyisten beim Weser Kurier?

Mit Gruß

Volker Keller

 

Zu Völkermord:

Sehr geehrte Frau Hellwig,

ich schreibe Ihnen erneut zum Thema Israel/Gaza. In der  Ausgabe vom 22.7.2025, Seite 12,  schreiben Sie über einen „Skandal mit Ansage“. Was gemeint ist: Der Rapper Macklemore wirft Israel Völkermord vor. Ihre Zeitung klagt ihn mit einem Aufmacher als Antisemit an. Sie skandalisieren  sachgemäße und seriös belegte Kritik.

Was er vorbringt, ist deckungsgleich mit der Einschätzung von Amnesty International: „Es gibt hinreichende Beweise dafür, dass die israelischen Streitkräfte und Behörden einen Genozid an den Palästinensern begehen.“

Ebenso mit dem Herausgeber der großen israelischen Zeitung Haaretz: „Wenn das kein Genozid ist, was dann?“

Und auch mit dem bekanntesten Holocaustforscher, dem Israeli Omer Bartov, Professor für Völkermordstudien in den USA. Israels Völkermord müsse Folgen für die deutsche Politik haben.

Als Gegenstimmen gegen den Rapper rufen Sie Israellobbyisten auf. Erneut versuchen Sie, Ihre Leser zu manipulieren. Seien Sie sicher, dass Ihre Leser nicht so dumm sind, darauf herein zu fallen.

Mit Gruß

Volker Keller

 

Zu Haftbefehl gegen Netanjahu:

Sehr geehrte Frau Hellwig,

gestern geschah etwas Historisches: Erstmals eine Haftbefehlbeantragung gegen den Präsidenten eines demokratischen Staates und damit massiver Einfluss des Gerichts auf den Terror  Israels. Die Weltpresse (New York Times, Times of India…) brachte das groß, auch die deutschen Zeitungen. Und Sie? Eine Randnotiz.  Wichtiger waren die Bankprobleme einer Erbin. Das ist eine krasse Fehlbewertung. Unfassbar!  Als ob der Vorgang Ihrer Redaktion unangenehm ist.

Mit Gruß

Volker Keller

 

Zur Künstlerin Nan Goldin:

Sehr geehrte Frau Hellwig,

die tendenziöse Berichterstattung über Israel/Palästina wird von WK fortgesetzt. Sie geben angeblich einen Bericht über Nan Goldin, geben diesen aber ausschließlich aus der Sicht ihrer Gegner Biesenbach und  Mendel. Ihre Autorin Szameitat schreibt für die Jüdische Allgemeine, ein Blatt, dass sich mit der Diffamierung von Kritikern der Politik des Staates Israel hervortut. Im Grund handelt es sich hier um eine Kommentierung –  die  sich aber als Bericht tarnt.

Die Rede von Goldin, bei der sie sich erklärt, wird nicht wiedergegeben. Ihre Position wird einfach auf den Begriff „antiisraelisch“ gebracht („mehrmals“ hat sie sogar diese Position bezogen – also ganze verächtlich). Was für ein falsches Wort! Sie ist doch nicht gegen Israel, sondern gegen die Kriegsführung eines mutmaßlichen Kriegsverbrechers.  Jemandem Nähe zu BDS nachzuweisen, reicht anscheinend, ihn als unseriös abzutun.  „Strike Germany“ sei obskur? Eine  Erklärung für diese Abwertung wird nicht gegeben, auch nicht gesagt, dass mittlerweile mehr als 1000 Kunstschaffende , namhafte zum Teil, eine Nobelpreisträgerin, sich angeschlossen haben.

Für mich ist das miserabler Journalismus.

Mit Gruß

Volker Keller

 

Zu Israels Anklage des Iran:

Sehr geehrte Frau Chefredakteurin,

erlauben Sie mir einmal mehr eine Rückmeldung zu Ihrer Israel-Kommentierung.

Auf Seite 1 bringen Sie exponiert Israels Anklage gegen den Iran. Sie suggerieren Sie, dass Israel ein Recht hat, Kriegsverbrechen gegen sich anzuklagen. Sie täuschen den Leser darüber, dass hier ein Terrorstaat von seinen zahllosen und maßlosen Kriegsverbrechen ablenken will. Ähnlich exponierte Aufmacher über Anklagen Irans und anderer gegen Israel bringen Sie nicht.

Ich bespreche häufig Texte des WK bei meiner Bildungsarbeit. Ich meine zu sehen, dass Politik und Israelmedien Teile der Bevölkerung verlieren. Israel hat kein Recht auf diesen Angriff. Israel betreibt mutmaßlich Völkermord in Gaza. Israel betreibt Terror im Westjordanland. Man vertraut den Eliten nicht mehr.

Mit Gruß

Volker Keller

 

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KOMMENTARE

Gerd-Rolf Rosenberger: Westliche Wertegemeinschaft schaut zu. Leserbrief an den Weser Kurier, nicht veröffentlicht. Zu „Standpunkte“ am 5.8. von Chefredakteurin Hellwig. (dazu auch oben „Israel lässt Menschen verhungern“)

Im schmalen Küstenstreifen Gaza sind 93 Kinder verhungert, und das im 21. Jahrhundert.  Über 1 900 000 Menschen leben auf knapp 13 % dieses Streifens, werden immer wieder mit Gewalt vertrieben.  Auf engstem Raum, ist so, als wenn Berlin 40 000 000 Einwohner beherbergen müsste. Bilder von verhungernden Kindern sieht man; erinnert sei an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz Januar 1945, an Biafra Kinder 1967. Georg Restle von „Monitor“ zeigte vor 2 Wochen einen total verzweifelten Vater; sein 10 jähriger Sohn kam nicht mehr von der Wasserverteilungsstelle zurück, weil eine Rakete diese traf, hier vermutete man Terroristen. Selbstverständlich das Entsetzen über die beiden ausgehungerten Geiseln. Dreist die Unwahrheiten von Philipp Peymann Engel, Chefredakteur der „Jüdischen Allgemeinen“ über die Verteilung von mehreren Millionen Mahlzeiten pro Tag über die US-Agentur „Gaza Humanitarian  Foundation“.  An diesen Lebensmittelverteilungsstellen sind 1300 Gaza Menschen auf der Jagd nach Essen und Wasser brutal von israelischen Sicherheitskräften erschossen worden.  Über die Vorgeschichte  des Nahostkrieges seit 1948 wurde in der BR Deutschland nicht informiert, nichts aufgearbeitet. Im Zeitungsarchiv der Uni Bremen zeigte mir vor 14 Jahren ein junger schwerstbeeinträchtigter Student der Germanistik, wie mutige ultraorthodoxe Juden, entschiedene Kriegsgegner,  gegen die Ben Gurion Regierung protestierten, die wegen Milliarden Krediten in den 50iger Jahren auch mit ehemaligen führenden Nazis verhandelten. Sie wurden von der Polizei mit Petroleum Munition beschossen.  Ultraorthodoxe Juden protestierten vor 3 Wochen gemeinsam mit Palästinensern in Israel gegen das gewaltsame Abhängen der Nationalfahne Palästinas von einer Hausfassade durch schwerbewaffnete Polizei.

Pastor i.R. Joachim Peters: Apartheit-Staat

Ich erkläre mich gerne und mit voller Überzeugung als solidarisch mit Dir! Sehr recht hast du allerdings auch, dass Du Deine ’sarkastische‘  Äusserung als ungeschickt bezeichnet – ich würde sagen unangemessen. Deinen ‚Humor‘ verstehen manche Menschen falsch, ansonsten: Hut ab vor Deinem Engagement!  Es ist ein Skandal, dass man bei uns als Israel-Kritiker sofort des Antisemitismus bezichtigt wird; dass man angefeindet wird, wenn man für die Rechte der Palästinenser eintritt. Auch ich hallte Israel unterdessen für einen Apartheits-Staat.

M.: Keule Antisemit

Ich als aufgeklärter Deutscher kann deinen Standpunkt nachvollziehen und fand deine damaligen Äußerungen und deine Mail – bin ebenfalls ein großer Freund des Sarkastischen – überhaupt nicht schlimm. Doch gibt es – kleine Gruppen -, die es in einer unnachahmlichen Art schaffen, sich Gehör zu verschaffen und wenn man mit der Keule ‚Antisemit‘ droht, obwohl man durchaus diskutable Ansatzpunkte hat, dann stimmt etwas mit der Objektivität nicht. Diese ist schlichtweg nicht gegeben. Und Deutschland mit seiner ewigen Nationalschuld ist gar nicht in der Lage, diesen Diskurs zu führen. Und somit dürfen dies auch keine Vertreter des Systems  wagen. Wir werden in diesem Punkt immer noch in Sippenhaft genommen. Der Diskurs kann in so einem Klima nicht funktionieren. Und die andere Seite sät Hass allerorten, und die eine Seite, schert sich nicht um die Bedürfnisse (Stichwort Siedlungsbau).

Ich habe nichts gegen Juden und kann den Hass auf sie überhaupt nicht nachvollziehen und ich habe nichts gegen Palästinenser oder andere Bevölkerungsgruppen. Der Hass im Nahen Osten wird von politischer Seite aus instrumentalisiert – da gibt es eine Jahrhundertealte Geschichte  – und wird immer wieder befeuert und Israel tut nun nicht gerade wenig dafür, dass es irgendwann mal aufhört (wieder Stichpunkt Siedlungsbau).

Claus-Hermann  Lehmann: Wespennest der Intoleranz und Ignoranz

Ins Wespennest der Intoleranz und Ignoranz gestochen, ich bin da ganz bei Dir, ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht. Gegen Dummheit, Vorurteile und Verblendung kämpft man vergebens. Ich sehe eine Angstkultur der Mehrheit und eine Aggressionskultur von Minderheiten.

Antonia Mittelstädt: UN-Generalsekretär: Palästinenser erdrückender Besatzung ausgesetzt 

Sehen Sie sich in Ihrer Einschätzung durch den Generalsekretär der Vereinten Nationen bestätigt: „…Das palästinensische Volk ist seit 56 Jahren erdrückender Besatzung ausgesetzt. Sie haben gesehen, wie ihr Land stetig verschlungen wurde durch (israelische)  Siedlungen und durch Gewalt geplagt; die Bevölkerung ist vertrieben worden und ihre Häuser sind zerstört worden. Ihre Hoffnung auf eine politische Lösung in ihrer schwierigen Lage ist verschwunden…“ (Antonio Guterres am 24.10.2023 im Weltsicherheitsrat, von mir aus dem Englischen übersetzt). Israel hat durch seinen UN-Botschafter wie immer bei Kritik reagiert: Arrogant und aggressiv.

Ulf Buschmann: Südafrika – Erfüllungsgehilfe Russlands

Was mir hierzu einfällt: Erstens kann ich nicht erkennen, dass die Meinungsfreiheit zu Israel eingeschränkt ist. Zweitens gehören für mich der Krieg in Nahost und der Ukraine zusammen. In diesem Zusammenhang sehe ich Südafrika als Erfüllungsgehilfen Russlands.

Herbert Brüdt: Nicaragua klagt Deutschland wegen Beihilfe zum Völkermord an

Nach meiner Meinung findet im Gaza Strip vor den Augen der Weltöffentlichkeit ein Genozid statt. Israelische Regierungsmitglieder verkünden im TV die Blockade von Wasser, Nahrungsmitteln, Medikamenten und Öl. Nahezu pausenloses Bombardement der Zivilbevölkerung in einer der dichtbesiedelsten Regionen der Welt, dass auch noch eingezäunt ist. Krankenhäuser, Kirchen, Schulen werden mit den darin Schutzsuchenden flächendeckend zerstört. Mehr als 25000 Tote. Im Westjordanland werden willkürlich Häuser der Palästinenser und die Infrastruktur planmäßig zerstört, Frauen, Kinder und Männer werden ohne Anklagen zum Teil monatelang inhaftiert. Das sind sehr deutliche Anzeichen für Apartheid und Genozid. Ich kann mich da nur dem UN-Generalsekretär anschließen. Die BRD hat vor dem Internationalen Gerichtshof  eine Verteidigung Israels bekanntgegeben. Heute hat Nicaragua angekündigt, die BRD als Unterstützer Israels Genozid vor dem ICC anzuklagen.

B.: Gräueltaten

Ich kann mir diese Gräueltaten nicht im Fernsehen anhören und ansehen.

Volker Keller: Studenten werden verleumdet. Leserbrief zum Bericht in den Bremer Nachrichten am 10.5.2024

Studenten protestieren in den USA und in Europa gegen Israels Krieg in Gaza. Jetzt auch in Bremen. Abgeordnete der Bremischen Bürgerschaft verurteilen die Proteste als „israelfeindlich und antisemitisch“. Nach meinem Kenntnisstand widerspreche ich:   Dafür gibt es keinen Anhaltspunkt. Hier wird gegen ein Massaker an der Zivilbevölkerung in Gaza protestiert. Das ist legitim, ethisch sogar zwingend. Die Kritik der Politiker steht für mich im Verdacht der Verleumdung. Ich wünsche mir, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlung aufnimmt, es liegt ein öffentliches Interesse vor. Es darf nicht länger jeder Israelkritiker als Judenfeind verleumdet werden. Die Haltung der deutschen Politik zu Israel in den letzten Jahrzehnten bis heute hat ihren Beitrag zum Werden eines Staates in Nahost geleistet, der sich selbst überhöht und Völkerrecht und Menschenrechte ignoriert. In Deutschland muss sich etwas ändern.

Ansgar Stöckmann: Israellobbyismus in der Kirche

Nicht nur in der Politik muss sich etwas ändern, auch bei der evangelischen Kirche. Mich empört die Homepage der Bremer Kirchenleitung, ihre vielfache Solidarität mit dem jüdischen Israel, Beten soll man für die Opfer der Hamas. Kein Wort über die Gräueltaten der israelischen Armee, über die Brutalität der israelischen Siedler im Westjordanland, für die Palästinenser wird nicht gebetet, sie werden nicht mal genannt, nicht mal die palästinensischen Christen. Wohin man guckt – Israellobbyismus.